Kentaurenkopf
Zwischen 1801 und 1812 ließ Lord Elgin, britischer Botschafter an der Hohen Pforte, etwa die Hälfte des damals noch erhaltenen Bauschmucks vom Parthenon abtrennen und nach Großbritannien verschiffen. 1816 verkaufte der hoch verschuldete Elgin die Sammlung an den britischen Staat und seither befindet sie sich im British Museum. Doch London ist nicht der einzige Ort außerhalb Athens, an dem Fragmente des Parthenon liegen: Auch in Deutschland werden Teile des Tempels aufbewahrt.
Im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg befindet sich der Kopf eines Kentauren. Ein Fragment aus dem Metopenschmuck des Parthenon. Wie so viele Teile dieses Bauwerks hat er vor langer Zeit seinen Weg nach Mitteleuropa gefunden. Und wie bei allen Parthenon-Skulpturen stellt sich auch hier die Frage: Sollte er nach Griechenland zurückkehren?
Griechenland fordert die Rückführung. Museen und Institutionen argumentieren dagegen mit Gründen, die zunächst sachlich und überzeugend klingen: Rechtmäßigkeit des Erwerbs, Bewahrung und Konservierung, der Wert des universalen Museums, die Sorge um Präzedenzfälle.
Dabei geht es nicht nur um Paragraphen und Provenienzen, sondern vor allem um eine einfache Frage: Was wäre eigentlich gerecht?
